Die Herausforderungen für Nachwuchsführungskräfte: Zwischen Erwartungen und Realität

Führung – das klingt nach Einfluss, Gestaltungsspielraum und Erfolg. Doch wer den Schritt in eine Führungsrolle wagt, wird schnell feststellen: Es ist eine ganz neue Welt, in der alte Spielregeln oft nicht mehr gelten. Statt klarer Antworten lauern unerwartete Fragen, statt Kontrolle zeigt sich Komplexität. Für Nachwuchsführungskräfte bedeutet das: Sie stehen an einer entscheidenden Schwelle – zwischen den Anforderungen der Organisation, den Bedürfnissen des Teams und ihren eigenen Ansprüchen.

Was macht Führung so herausfordernd? Warum scheitern manche an diesem Rollenwechsel, während andere daran wachsen? Und wie können Nachwuchsführungskräfte den Übergang erfolgreich gestalten, ohne sich selbst aus den Augen zu verlieren? In diesem Artikel werfe ich einen genaueren Blick auf die Herausforderungen.

Der Rollenwechsel – Vom Teammitglied zur Führungskraft

Wer plötzlich führen soll, muss oft mehr verändern als nur den Titel auf der Visitenkarte. Die größte Hürde? Der Wechsel der Perspektive. Als Kolleg*in hat man oft tief im Team mitgearbeitet – als Führungskraft aber steht man plötzlich in einer Rolle, die Distanz und Nähe zugleich verlangt.

Diese Spannung ist besonders heikel, wenn ehemalige Kolleg*innen nun zu Mitarbeitenden werden. Wie gibt man Feedback, ohne alte Sympathien zu gefährden? Wie geht man mit Konflikten um, wenn sie von den Menschen kommen, mit denen man gestern noch gemeinsam gelacht hat? Nachwuchsführungskräfte stehen hier oft zwischen den Stühlen. Die Kunst liegt darin, klare Strukturen zu schaffen, ohne die Beziehungsebene zu gefährden – eine Herausforderung, die Fingerspitzengefühl und Reflexion erfordert.

Die Gleichzeitigkeit von Erwartungen

Führung bedeutet oft, in einem ständigen Spannungsfeld zu agieren. Die Organisation erwartet messbare Ergebnisse, das Team wünscht sich Unterstützung, und die Nachwuchsführungskraft selbst setzt hohe Maßstäbe an die eigene Leistung.

Diese Gleichzeitigkeit der Erwartungen kann schnell erdrückend wirken, besonders wenn man versucht, allem und allen gerecht zu werden. Aber genau hier liegt die erste Lektion: Es geht nicht darum, alle Erwartungen perfekt zu erfüllen, sondern klug zu priorisieren. Was ist in diesem Moment das Wichtigste? Und welche Erwartung darf – zumindest vorübergehend – zurückgestellt werden?

Nachwuchsführungskräfte, die lernen, bewusst mit diesen Spannungen umzugehen, entwickeln eine Kernkompetenz, die sie ihr ganzes Berufsleben begleiten wird: die Fähigkeit, Klarheit zu schaffen und bewusst Entscheidungen zu treffen.

Führung in einer komplexen Welt

Führung war noch nie einfach, aber die heutige Arbeitswelt macht sie komplexer denn je. Entscheidungen müssen schneller getroffen werden, Informationen sind oft unvollständig, und die Erwartungen an Führungskräfte steigen kontinuierlich.

Besonders für Nachwuchsführungskräfte, die noch ihre Rolle finden müssen, kann das überwältigend sein. Der Schlüssel? Ambiguität aushalten. Es gibt nicht immer eine richtige Antwort, und manchmal muss man einfach mutig eine Richtung vorgeben, auch wenn nicht alle Variablen bekannt sind.

Die Fähigkeit, mit Unsicherheiten umzugehen und dennoch Orientierung zu schaffen, wird zur Kernkompetenz moderner Führung. Sie ist es, die Teams durch turbulente Zeiten trägt – und die Nachwuchsführungskräfte selbst zu Ankerpunkten in ihrer Organisation macht.

Menschlichkeit und Autorität vereinen

Eine der anspruchsvollsten Aufgaben für Nachwuchsführungskräfte ist die Balance zwischen Nähe und Autorität. Führung bedeutet, Klarheit und Orientierung zu geben, Verantwortung zu übernehmen – und gleichzeitig menschlich zu bleiben.

Gerade junge Führungskräfte neigen dazu, entweder zu autoritär oder zu kumpelhaft aufzutreten. Doch beides führt selten zum gewünschten Erfolg. Die Kunst liegt darin, empathisch und nahbar zu sein, ohne die eigene Position zu untergraben. Eine klare Haltung, verbunden mit respektvollem Umgang, schafft die Basis für Vertrauen – und damit auch für langfristigen Erfolg.

Der Weg zu einer authentischen Führungsrolle

Der Weg zur Führungskraft ist kein geradliniger, aber er bietet eine einzigartige Chance zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung. Für Nachwuchsführungskräfte, die mutig sind, sich auf diesen Weg einzulassen, gibt es wertvolle Orientierungshilfen, um mit den Herausforderungen zu wachsen und ihren ganz eigenen Führungsstil zu entwickeln.

Wichtige Wegweiser auf diesem Weg sind:

  1. Reflexionsvermögen: Die Fähigkeit, das eigene Handeln kritisch zu hinterfragen und bewusst aus vergangenen Erfahrungen zu lernen, ist essenziell. Reflexion fördert Klarheit über eigene Stärken und blinde Flecken – eine unverzichtbare Grundlage für authentische Führung.

  2. Mentoring: Erfahrene Mentor*innen können Impulse geben, hilfreiche Perspektiven eröffnen und in schwierigen Situationen unterstützen. Ein guter Mentor oder eine gute Mentorin ist oft eine wertvolle Begleitung auf dem Weg zur Führungspersönlichkeit.

  3. Coaching: Individuelle Begleitung durch ein Coaching eröffnet die Möglichkeit, Führungsfragen tiefgreifend und persönlich zu erarbeiten. Hier werden nicht nur fachliche Aspekte beleuchtet, sondern auch die Persönlichkeit und die spezifischen Herausforderungen der Rolle einbezogen.

  4. Supervision und Austausch: Der Blick von außen – sei es durch Supervision, Intervision oder kollegialen Austausch – hilft, Herausforderungen differenziert zu betrachten und neue Lösungsansätze zu entwickeln.

Fazit: Wachsen durch Führung

Der Schritt in eine Führungsrolle ist ein Abenteuer, das Mut, Neugier und Ausdauer erfordert. Es gibt keinen festgelegten Plan, der für alle funktioniert – Führung ist so individuell wie die Menschen, die sie ausüben.

Wer sich auf diesen Weg einlässt, wird nicht nur sein Team, sondern auch sich selbst immer wieder neu entdecken. Mit Reflexion, Unterstützung und der Bereitschaft, aus Herausforderungen zu lernen, kann Führung ein wertvoller Raum für Wachstum und Weiterentwicklung werden – für die Organisation, für das Team und für die Führungskraft selbst.

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